17 Fragen an Ingo Appelt

1) Was ist für Dich “typisch deutscher” Humor?
Ingo Appelt: Gibt’s den überhaupt? Ich würde sagen: Ich bin von meiner Humanistik her nicht typisch deutsch. Es gibt aber schon Unterschiede zu anderen Ländern. Die Schweiz zum Beispiel hingt etwas hinterher. Die sind ja in den 50er Jahren geblieben. Die Amerikaner sind sehr direkt, die Engländer sind sehr sauig. Die haben keinen Sex, reden aber gerne darüber. Bei den Deutschen ist es so eine Mischung aus Verklemmtheit und Offenheit, sehr gespannt, nicht richtig befreit. Die lachen manchmal drauf los und wissen nicht, warum. ich spielte damit unheimlich gerne. Ich bringe die Leute dazu, darüber zu lachen, worüber sie normalerweise nicht lachen würden. Oder sonst nur nach dem fünften Bier und wenn sie unter sich sind. Wer hat überhaupt Spaß, ist manchmal die Frage: Wir reden immer davon, dass wir eine Spaßgesellschaft sind, haben aber andererseits Angela Merkel. Außerdem haben die Deutschen Ja nicht mal mehr ihre drei F (Ficken, Fußball, Frauen): ficken: Man redet nur noch über den Sex und weiß gar nicht mehr, wie es geht Fußball ist mittlerweile die Hölle. Was bleibt da noch?

2) Wer ist für Dich der unfreiwillig komischste Mensch im deutschen Fernsehen?
Ingo Appelt: Heute sind ja alle irgendwie unfreiwillig komisch. Ich gucke da gar nicht mehr hin. Ich gucke lieber: wer ist eigentlich professionell richtig komisch? Und da wird es schon richtig schwer, jemanden zu finden. Rudi Carrell? Kalle Pohl? Die sind ja auch manchmal unfreiwillig komisch, obwohl sie professionell witzig sein wollen. Ich glaube, dass ich eigentlich der unfreiwillig komischste Mensch der Unterhaltungslandschaft bin. Ich wollte eigentlich immer ernst genommen werden, es gelingt mir aber nicht. Das ist natürlich auch so eine Flucht. Wenn man nicht für voll genommen wird, flüchtet man sich mit dem Humor nach vorne. Außerdem stehen Frauen ja auf Humor. Da können wir Männer wenigstens sagen: “Wir sind zwar Scheiße, aber lustig.”

3) “Big Brother” war ja teilweise auch unfreiwillig komisch. Wärst Du in den Container eingezogen?
Ingo Appelt: Was war noch gleich “Big Brother”? Hähä, ach ja, diese Brutkanister für Eintagspromis… Da ging doch eigentlich nur rein, wer sagte: “Ich will unbedingt ins Fernsehen, ich bin so geil aufs Fernsehen – ich verzichte sogar aufs fernsehen gucken. Ich verzichte darauf, Sex mit meiner Freundin zu haben. Ich mache alles, ich will nur einmal im Leben ins Fernsehen. Bitte, bitte lasst mich rein.” Selbst mir wäre es zu viel, hundert Tage übers Ficken reden zu müssen und Petting vor laufender Infrarotkamera ließe ich mir besser bezahlen. Aber so unfreiwillig komisch die Leute im “Big Brother”-Haus waren, so professionell waren die Macher. Das muss man erstmal schaffen, die Leute auf so einem Niveau zu verbraten..

4) Was für Comedy-Sendungen schaust Du Dir denn gerne an?
Ingo Appelt: Ich schaue eigentlich gar nicht so gerne Comedy. Comedy ist für mich inzwischen so ein verbratener Begriff geworden, Comedy läuft mittlerweile überall. Comedy scheint mittlerweile von Kommerz abzustammen. Viel billiger Scheiß wird da als Comedy verkauft. Ich gucke aber gerne Piet Klocke, Michael Mittermeier, den “Quatsch Comedy Club”, die “Bully-Parade”, TV total, alte Loriot-Geschichten. Ansonsten: “Sieben Tage – Sieben Köpfe ertrage ich nicht. Alles andere geht mir auch völlig auf den Sack. Man schaut sich so etwas ja auch nicht mehr unbefangen an, bewertet pausenlos, vergleicht, beurteilt (lacht). Ich kann ja schon über nichts mehr lachen. Ich stehe wieder eher auf Live-Auftritte. Die Leute rufen ja auch permanent an und wollen wieder eine Tour – und nichts macht momentan mehr Spaß, als das “Superstar”-Programm zu schreiben, mit dem ich am 26. August 2002 im Münchener Lustspielhaus Premiere haben werde.

5.) Könntest Du Dir vorstellen, mit einem Deiner Comedy-Kollegen etwas zusammen zu machen?
Ingo Appelt: Vorstellbar ist alles. Ich hätte schon Lust darauf, was mit jemandem zusammen zu machen. Aber man muss aufpassen, dass man die Leute nicht kaputt macht und zusammen passt. Es darf ja nicht unkonstruktiv werden. Man muss Spaß zusammen haben und das ist bei Kollegen manchmal gar nicht so einfach. Ihr glaubt es vielleicht kaum, aber wenn zwei Komiker zusammen sitzen wird meistens ernsthaft diskutiert, nach dem Motto: “So kannst Du das aber nicht machen, Ingo!”

6.) Würdest Du eventuell mit jemandem eine Boygroup gründen?
Ingo Appelt: Wenn, dann mit mir und meinem kleinen besten Freund. Wir würden uns dann “Ingo und die Ficklinge” nennen. Das kann ich mir schon gut vorstellen. Leider bin ich mit der Nummer beim POPSTARS-Casting durchgefallen, hähä.

7.) Worauf begründet sich eigentlich Deine Abneigung gegen die Teletubbies?
Ingo Appelt: Ich muss das immer zusammen mit meiner Tochter angucken, und mein Sohn ist bald auch in dem Alter – das ist totale Versklavung. Das Tolle ist, dass die alles zweimal wiederholen. Ich denke dann immer: Bin ich jetzt eigentlich blöd, oder die? Ich meine, das Tolle ist, dass die alles zweimal wiederholen. Ich denke dann immer: “Bin ich jetzt eigentlich blöd, oder die?

8.) Zu welchem Thema würdest Du in eine Talkshow gehen?
Ingo Appelt: Sex und Politik. Und dann bitte in so eine Show mit unerwarteten Gästen: “Ingo Appelt trifft… Angela Merkel!” Da wäre ich schon gespannt drauf. Thema Sex und Politik mit Angela Merkel? Kann man sich kaum vorstellen, denn die ist ja wohl wirklich keine von denen, wo man sagt: “Die hat sich hochgebumst.” Und wenn, huuu… Im Ernst, ich würde ihr gerne mal eine Liebeserklärung machen: ich glaube nämlich, dass es mit Angela Merkel in der Kiste besser ist als mit Verona Feldbusch.

9.) Was ist das Peinlichste, was Dir mal passiert ist?
Ingo Appelt: Das Peinlichste? Es gibt doch wohl keine Peinlichkeit, die ich ausgelassen habe. Es sei denn, ich hätte zum Beispiel einen Witz über Niki Lauda gemacht und der liegt an dem Tag im Krankenhaus. Das finde ich dann selbst peinlich. Aber sonst ist mir eigentlich nichts mehr peinlich. Aus dem Alter bin ich raus.

10.) Denkst Du, Du kommst mal in die Hölle?
Ingo Appelt: Ich weiß nicht ob das so schlimm wäre. Vor allem weiß ich nicht, ob es da schlimmer wäre als hier.

11.) Was ist für Dich ein idealer Tag.
Ingo Appelt: Das Beste ist, wenn gar nichts passiert. Ich war mal in Thailand. Da steht man morgens auf, guckt aufs Meer, guckt, ob man tauchen, frühstücken oder in die Hängematte geht. Das ist schon toll. Keine Verpflichtungen, nicht nachdenken müssen. Das ist ideal.

12.) Wie motivierst Du Dich vor einem Auftritt, um in die entsprechende Stimmung zu kommen?
Ingo Appelt: Normalerweise sehe ich ja von hinten schon das Publikum und das motiviert mich schon von allein. Meistens geht es mir auch vorher ziemlich schlecht, weil ich denke, das klappt diesmal nicht. Es ist aber einfach spannend, sich in Situationen zu begeben, die man nicht einschätzen kann: Es kann sein, dass die Leute mich auspfeifen oder aber dass sie “Ausziehen!” schreien. Da kann man sich eigentlich nur noch mit Schattenboxen vorbereiten.

13.) Gibt es etwas, worüber Du keine Witze machen würdest?
Ingo Appelt: Ich sage eigentlich alles, was ich denke. Manchmal rede ich auch schneller als ich denke. Es gibt eigentlich nichts, wovor ich Halt mache. Warum auch? Die deutsche Mannschaft ist am Ende, Ficken ist auch nicht mehr angesagt, was bleibt da noch? Manchmal denke ich: “Muss ich mich für meine Artgenossen schämen?” Die machen doch auch alles. Man kann sich ja schon gar nichts Furchtbares mehr ausdenken, weil es tagtäglich passiert. Warum sollte ich mir da Grenzen im Kopf setzen? Das Leben ist so und man muss offen und ehrlich darüber reden. Der Mensch und die Welt sind schlecht – und es bleibt so.

14.) “Die Welt ist schlecht” – ist das Provokation oder Weltanschauung?
Ingo Appelt: Die Menschen können doch auch lieb und gut sein – aber meistens sind sie es nicht. Ich suche den Grund, warum das so ist. Was ist los? Warum schlägt man seine Kinder, warum gibt es Kriege? Warum laufen die Jungs heute rum wie Bettnässer, mit ihren Beutelhosen? Die sehen aus wie gerade eben beim Wichsen erwischt. Das Selbstverständnis der Leute ist so was Komisches. Ich versuche das zu spiegeln und die Dinge so wiederzugeben, wie sie auch passieren.

15.) Wie lange arbeitest Du auf einen Auftritt hin?
Ingo Appelt: Wenn ein Programm erstmal lange erprobt ist, dann geh’ ich auf die Bühne wie andere Leute in die Küche. Manchmal fallen mir dann noch ein paar bessere Zutaten ein. und ich experimentiere ein bisschen. Ansonsten hängt man auch vom Publikum und vom Ambiente ab. Wenn da lauter ältere Herrschaften sitzen geht’s natürlich anders zu als in einer Rockkneipe.

16.) Wie viel Prozent Deines Jobs kannst Du mit dem erledigen, was man üblicherweise Talent nennt, wie viel Prozent sind harte Arbeit?
Ingo Appelt: Grundsätzlich ist der Job immer harte Arbeit. Das ist die Flucht nach vorn. Es ist schon bitter, wenn man sich als junger Mann sagen muss: Das mit den Muckis funktioniert nicht, das mit dem großen Schwanz klappt nicht, tanzen und singen kannst du auch nicht. Die lachen dich eh alle aus, also gib Dich der Lächerlichkeit hin. Was natürlich gut ist: Frauen stehen auf Männer mit Humor, juchhu!

17.) Hast Du schon mal ein eindeutiges Angebot von einem weiblichen Fan bekommen?
Ingo Appelt: Ja klar, immer wieder. Die wollen immer, dass ich mich bei denen nackt auf den Bauch lege. Richtig perverse Anspielungen machen die: neulich gab mir Eine sogar ihr Diddl-Mäuschen! Aber im letzten Moment machen alle einen Rückzieher. Was okay ist; Wenn die Diddl-Maus mit ins Bett soll, läuft bei mir überhaupt nichts mehr.

Ich will auch mal hauen

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