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Diabolischer Charme

Interview: TV TODAY

Ingo Appelt ist aus der deutschen Comedy-Szene nicht mehr wegzudenken. Der schwarze Humor des gebürtigen Esseners wird durch sein Outfit unterstrichen: mit markanter diabolischer Haartracht und stets schwarzem Outfit. Mit seinen fiesen Sprüchen eckt er nicht selten bei den Zuschauern an. Seine persönliche Interpretation von Humor lebte der 33-jährige unter anderem in seiner seit dem 14. September 2000 laufenden “Ingo Appelt Show” aus. Damit ist es jetzt allerdings vorbei. In der letzten Novemberwoche setzte der Sender PRO7 die Comedy Show mit sofortiger Wirkung ab.
Die Begründung: in der Sendung vom 23. November waren unter anderem Erwachsene zu sehen, die Puppen, die Kinder darstellen sollten, als Fußball benutzen. Lesen Sie hier exklusiv, was Deutschlands Starkomiker – ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen – zur Absetzung seiner Sendung zu sagen hat.

TV TODAY: Wusste der Sender nicht, wen er sich ins Haus holt?

INGO APPELT: Das könnte der Fall sein. Vielleicht hat PRO7 Ingo Appelt ja mit Kalle Pohl verwechselt. Wir haben elf Sendungen gemacht und es gab nie Beanstandungen vom Sender. Es gab keine Gespräche, keine Beschwerden und was ich wirklich peinlich finde ist, dass Sendebücher vorlagen. Das heißt: am Dienstag wusste PRO7 bereits, was wir in der Sendung machen, am Mittwoch haben wir aufgezeichnet und geschnitten und am Donnerstag gesendet. Bis zu diesem Zeitpunkt hat sich niemand beschwert. Erst am Dienstag danach kam die Kündigung – und zwar ohne ein Schreiben. Ich hab’s wie Sie erst von dpa erfahren.

TV TODAY: Wieso ist das Aus erst fünf Tage nach der Show bekannt gegeben worden?

INGO APPELT: Wenn ich’s wüsste! Das ist alles sehr merkwürdig, und ich halte dieses Verhalten für extrem unprofessionell. Und was ich besonders peinlich finde, ist, dass PRO7 nicht die Eier hat und sich vor seine Künstler stellt, sondern den Appelt lieber hinterrücks vor die Tür setzt. Das ist feige und hinterfotzig.

TV TODAY: Gab es denn Schelte von anderer Seite?

INGO APPELT: In der “Welt” gab es eine Geschichte: Note sechs – so was wie Ingo Appelt kann man nicht machen, aber damit kann ich leben. Kritisieren kann mich jeder, aber ich habe mich ja nicht strafbar gemacht, nicht gegen Persönlichkeitsrechte oder die Menschenwürde verstoßen. Vor allem habe ich bei PRO7 im “Quatsch Comedy Club” schon ganz andere Dinge vom Stapel gelassen.

TV TODAY: Torwandschießen mit Babys – mit solchen Methoden arbeiteten früher schon Monty Python. Wie stehen Sie zu dem Vorwurf “geschmackliche Entgleisung”?

INGO APPELT: Diese Art Humor kennen wir ja schon seit 25 Jahren, und bei Monty Python ist das ungeheuer intellektuell und kultig, aber wenn’s der Appelt macht, ist es geschmacklos. Dem kann ich nicht so richtig folgen – vor allem, weil die Geschmacksfrage subjektiv ist. Kommt jetzt irgendwann die Humorpolizei und sagt: “Der Witz gefällt mir nicht, du bist gekündigt”?

TV TODAY: Ist Ihr Rauswurf vielleicht darauf zurückzuführen, dass die Quoten der Show nicht der Renner waren?

INGO APPELT: Man hat mir immer gesagt: Die Quote ist nicht so entscheidend. Auf diesem Sendeplatz (Donnerstag, 22:15, die Red.) ist eh nicht viel zu holen. Natürlich hätte ich lieber eine größere Quote gehabt, weil ich mir dann auch mehr hätte herausnehmen können. Jetzt ist die “Ingo Appelt Show” die erste Show im Privatfernsehen, die aus inhaltlichen Gründen abgesetzt wird. Wenn das Schule machen sollte, dann gute Nacht.

TV TODAY: Wie geht’s jetzt weiter?

INGO APPELT: Irgendwie wird’s schon weitergehen. Der Titel für mein neues Bühnenprogramm ist schon klar: “Endlich abgesetzt”. Es gibt auch schon ein paar Angebote, und vielleicht mach’ ich ja bei tm3 weiter (lacht). Vielleicht gründe ich auch einen Piratensender und hacke mich in alle anderen Programme ein. Ich glaube nicht, dass man mich so leicht tot kriegt. Schließlich bin ich im gleichen Alter wie Jesus, als er gekreuzigt wurde. Und er ist auch wieder auferstanden.

Ich will auch mal hauen