
[Auszug aus einem Artikel von Thomas Andre vom 17. Mai 2010]
Ob Beziehungen, Emanzipation, Politik, Ossis oder Wessis, Ingo Appelt zielt mit großer Lust tief unter die Gürtellinie – sein Motto: Immer feste druff! Wenn man sich den Zoten des röhrenden Schwätzers nicht entziehen kann, hört man halt gequält hin. Und schämt sich nach Kräften, weil man halt doch lacht, wenn dieser miese, fiese Zyniker da vorne über Intimrasuren räsoniert, übers Rauchen doziert oder diesen und jenen derbe beleidigt.
Appelt spricht all das aus, was andere nicht mal denken. Vor zehn, 15 Jahren hatte man das als große, befreiende Tat beklatscht: das Aushebeln der Political Correctness. Appelt war und ist darin der Beste, und nie wird er so fad werden wie Mario Barth, den für manche unfassbar langweiligsten Entertainer des Universums. Witziger als Barth ist Appelt selbst dann noch, wenn die (scheinbar) unmoralischen Ansichten schon längst nicht mehr provozierende, an Tabus rührende Aufreger sind.
Wahrscheinlich ist an Appelt auch ein feinsinniger, subtiler Kommentator deutscher Verhältnisse verloren gegangen, denn er ist ein Beobachter mit Auffassungsgabe. Aber das Subtile sollte es bei Appelt eben nicht sein, es knallt halt so schön beim Schenkelklopfen.
Besonders hingebungsvoll und stellenweise brillant ist das böse Kind der Unterhaltungsindustrie, das sich kaum je verhaspelt, wenn es die Großen und Kleinen unserer Republik parodiert. Appelt ist Kohl, Appelt ist Schröder, Appelt ist Merkel. Appelt ist Grönemeyer, Appelt ist Westernhagen. Appelt ist so fies und so gemein wie jeder von uns.
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